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Migration, Flucht und Gesundheit

Migration und öffentliche Gesundheit

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Gefährdete Mädchen schützen und betroffene Mädchen und Frauen unterstützen

Projekt "Let´s CHANGE" von Plan International Deutschland

Gwladys Awo

Schlagwort(e): Beratung, Beschneidung, Bildung, Genitalverstümmelung, Gesundheitsförderung, Prävention

Rund 200 Millionen Frauen und Mädchen weltweit sind Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation zufolge von weiblicher Genitalverstümmelung/-beschneidung (female genital mutilation/cutting, FGM/C) betroffen. Jährlich sind rund drei Millionen Mädchen in Gefahr, beschnitten zu werden. Die Praktik, die eine teilweise oder vollständige Entfernung der äußeren weiblichen Genitalien umfasst, stellt eine schwere Kinder- und Menschenrechtsverletzung dar. Neben akuten Komplikationen wie Blutverlust, Kollaps, Infektionen und Schmerzen sind auch Langzeitfolgen wie schwere Schädigungen der reproduktiven und sexuellen Gesundheit, vermindertes sexuelles Empfinden und psychische Störungen bekannt. Weibliche Genitalverstümmelung wird weltweit praktiziert. Im Kontext globaler Migration ist die Praktik inzwischen auch in den EU-Mitgliedsstaaten angekommen. England, Deutschland und Frankreich zählen zu den europäischen Ländern mit einer besonders hohen Anzahl an Frauen und Mädchen, die aus FGM/C praktizierenden Ländern kommen. Allein in Deutschland leben Schätzungen zufolge rund 64.800 von Genitalverstümmelung betroffene Mädchen und Frauen sowie 15.540 gefährdete Mädchen.    

Was mit dem Projekt erreicht werden soll
Die Kinderhilfsorganisation Plan International führt in Hamburg das Projekt „Let’s CHANGE“ durch, um gefährdete Mädchen vor einer möglichen Beschneidung zu schützen und von Genitalverstümmelung betroffene Mädchen und Frauen zu unterstützen. Das Projekt läuft in den Städten Hamburg, Berlin, Paris und Amsterdam. In Hamburg wird es finanziell von der Stiftung Hilfe mit Plan, mit Spenden sowie Mitteln der Europäischen Kommission unterstützt.

Wie das Projekt umgesetzt wird
Bei der Umsetzung von „Let’s CHANGE“ in Hamburg greifen Plan-Projektleiterin Dr. Gwladys Awo und ihr Team auf konkrete Erfahrungen und Erkenntnisse aus bereits umgesetzten Plan-Projekten in Deutschland und mehreren afrikanischen Ländern zurück. So war Plan International bis vor Kurzem auch in Hamburger Flüchtlingsunterkünften tätig, um Fachkräfte und Mitarbeiter*innen aus diesem Bereich sowie anderen sozialen Einrichtungen zum Umgang mit weiblicher Genitalverstümmelung zu schulen und betroffene Familien zu beraten.

Ausbildung von Change-Agents und Sensibilisierung der Communities
Um in den Communities, die aus praktizierenden Ländern stammen, über die schweren Folgen und Gefahren von weiblicher Genitalverstümmelung aufzuklären und um betroffenen Mädchen und Frauen Unterstützung zu bieten, werden Schlüsselpersonen zu sogenannten Change-Agents ausgebildet. Zu ihnen zählen religiöse Autoritäten, Angehörige von Frauengruppen sowie Frauen und Männer aus afrikanischen Communities sowie dem Nahen und Mittleren Osten, wie Iran oder Afghanistan. In Workshops beschäftigen sie sich mit den kulturellen, medizinischen und rechtlichen Aspekten von weiblicher Genitalverstümmelung, den Rechten von Frauen und Kindern sowie Methoden des Konfliktmanagements. Anschließend führen sie als Multiplikator*innen Aktivitäten in ihren Communities durch, um den offenen Dialog über geschlechtsspezifische Gewalt und weibliche Genitalverstümmelung zu fördern.

Schulung von Behörden und Fachkräften durch erfahrene Change-Trainer
Für Fachkräfte verschiedener Berufsgruppen und Behörden, die mit weiblicher Genitalverstümmelung zu tun haben, führen Change-Trainer*innen  Workshops durch. So sollen gut informierte Netzwerke aufgebaut werden, zu denen beispielsweise Anwält*innen, Sozialarbeiter*innen in Flüchtlingsunterkünften, Hebammen und Frauenärzt*innen gehören. Die Trainer*innen sind erfahrene Teilnehmer*innen aus den Vorgänger-Projekten „Change“ und „Change plus“. Sie kennen die Bedürfnisse der Communities und der von Genitalverstümmelung betroffenen Mädchen und Frauen gut, sodass sie diese direkt und authentisch an die Fachkräfte weitergeben können. Sie nehmen auch an lokalen und nationalen Fachdiskussionen mit Behörden teil.

Ausblick
Die Sensibilisierung der Communities ist noch in vollem Gange - erst am Ende des Projekts können die Erfolge richtig gemessen werden.

Materialien zum Thema FGM/C:

  • Die Sach- und Informationsbroschüre „Weibliche Genitalverstümmelung im Flüchtlingskontext - Herausforderungen und Handlungsempfehlungen“, die im Rahmen des Vorgänger-Projekts „Aktiv gegen weibliche Genitalverstümmelung in Flüchtlingsunterkünften“ von Plan International erstellt wurde, wird seit März europaweit verteilt. Zielgruppen der Broschüre sind Mitarbeiter*innen in Flüchtlingseinrichtungen und Behörden sowie Ärzt*innen, Anwält*innen, Psycholog*innen und Dolmetscher*innen. Bei Interesse wird die Broschüre gerne als PDF versendet. Bestellungen bitte an untenstehende E-Mai-Adresse.
  • Am 6.Februar 2019 stellte Plan-Projektleiterin und Initiatorin Dr. Gwladys Awo im Hamburger Rathaus den „Schutzbrief gegen weibliche Genitalverstümmelung“ vor. Dieser soll Frauen und Mädchen bei Reisen in ihre Heimatländer schützen. Der Schutzbrief steht bisher in Deutsch, Englisch und Französisch europaweit zur Verfügung. Er klärt darüber auf, dass FGM/C in Deutschland unter Strafe steht und mit einer Gefängnisstrafe bis zu 15 Jahren geahndet werden kann, auch wenn der Tatort im Ausland liegt.

Beide Materialien wurden bereits vorgestellt im Infodienst Migration, Flucht und Gesundheit 02/2019, S. 61

Dr. Gwladys Awo ist FGM/C-Expertin bei Plan International

Kontakt:
gwladys.awo(at)plan.de


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