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Migration, Flucht und Gesundheit

Migration und öffentliche Gesundheit

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Martina Dreibus

Schwangerschafts- und Schwangerschaftskonfliktberatung im Kontext Flucht und Migration

Projekt „Sexualaufklärung und Familienplanung im interkulturellen Kontext“

Schlagwort(e): Beratung, Familienplanung, Geflüchtete, Interkulturelle Öffnung, Migration, Schwangerschaft, Sexualität

Viele Träger und Projekte haben bereits bundesweit Entwicklungsprozesse zur Förderung der Integration von Menschen mit Fluchthintergrund gestartet. Hieran schließt das von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung geförderte Projekt „Sexualaufklärung und Familienplanung im interkulturellen Kontext“ des Ministeriums für Familie, Frauen, Jugend, Integration und Verbraucherschutz in Rheinland-Pfalz an: Es verfolgt das Ziel, die Themen Schwangerschaft, Geburt, Sexualität, Geschlechterrollen und reproduktive Gesundheit im Kontext von Flucht und Migration aufzugreifen und konzeptionelle Ansätze in diesen Bereichen weiterzuentwickeln. Gemeinsam mit drei Projektträgern an unterschiedlichen Standorten werden geeignete Ansätze entwickelt, die Lücken im Handlungsfeld Sexualaufklärung und Familien-planung im interkulturellen Kontext aufgreifen und bearbeiten. Die Erfahrungen zeigen, dass zum einen Handlungsunsicherheit bei Fachkräften besteht, es zum anderen spezifischer und neu zu konturierender Zugänge bedarf. Da das Themenfeld Kernbereiche der persönlichen und kulturellen Identität berührt, müssen die erforderlichen Konzepte diese Dimension berücksichtigen und praxistauglich ausgestaltet sein.

Das Projekt will das skizzierte Themenspektrum aufgreifen, fachlich weiter gestalten und Transferimpulse setzen durch:

  • strukturierte Praxissettings an drei Standorten mit unterschiedlichem Profil, eingebettet in erfahrene Schwangerschafts(konflikt)beratungsstellen
  • praxisunterstützende Prozessbegleitung, die insbesondere die Übertragbarkeit auf andere Bundesländer sowie auf die Regelsysteme in den Blick nimmt
  • Entwicklung eines Praxishandbuchs
  • Entwicklung eines Rahmenkonzepts für Qualifizierungsstandards.

An wen richtet sich das Projekt?
Die primäre Zielgruppe sind unbegleitete und begleitete minderjährige Flüchtlinge, junge Volljährige und erwachsene Frauen und Männer sowie Eltern mit Fluchthintergrund, die zumeist keine oder nur geringe Deutschkenntnisse haben. Viele von ihnen bringen ein geringes Körperwissen mit und benötigen die Auseinandersetzung mit den Themen Schwangerschaft, Geburt, Sexualität, Geschlechterrollen und reproduktive Gesundheit. Ein Spannungsfeld ergibt sich aus der Auseinandersetzung mit der eigenen Identität sowie der Kultur in Deutschland.

Weitere Zielgruppe sind Fachkräfte und Multiplikator*innen aus anderen Diensten, etwa Familieneinrichtungen wie Familienbildungsstätten, Mehrgenerationenhäusern, Häusern der Familie, Migrationsdiensten sowie aus dem Bereich der Kinder- und Jugendhilfe (Jugendzentren, Jugendwohngruppen, Heimeinrichtungen etc.).

Projektpartner und Standorte
Die Umsetzung erfolgt an drei Projektstandorten mit unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen und unterschiedlichem Profil:

  • Caritasverband Mainz e. V., Projektstandort: Schwangerschaftsberatungsstelle in Wörrstadt
  • Diakonisches Werk Pfalz, Projektstandort: Haus der Diakonie in Speyer
  • pro familia, Landesverband Rheinland-Pfalz, Projektstandorte: Trier und Mainz.

Das Projekt wird durch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gefördert. Die Praxisbegleitung mit standortübergreifenden Evaluations- und Entwicklungsworkshops wird durch das Land Rheinland-Pfalz gefördert. Projektdauer ist vom 1. Mai 2017 bis zum 30. April 2019.

Schwerpunkte der Umsetzung
Ein Schwerpunkt ist die Entwicklung und Erprobung von Qualifizierungsmaßnahmen für Fachkräfte und Multiplikator*innen im Handlungsfeld reproduktive Gesundheit im interkulturellen Kontext. Hier stehen Themen wie etwa sexuelle Sozialisation, selbstbestimmte Sexualität, Familienplanung, Übernahme von Verantwortung, Beziehungen und Geschlechterrollen oder Pflichten und Rechte von Männern und Frauen in Deutschland im Fokus. Ziel ist die Vermittlung von Wissen, Sprachfähigkeit und Konzept-, Methoden- und Handlungskompetenz für Fachkräfte.

Weitere Schwerpunkte sind die Erschließung und Erprobung von gelingenden Zugängen, die Entwicklung von niedrigschwelligen Kontaktangeboten sowie die Initiierung und Erprobung von Begegnungsangeboten, thematischer Gruppenarbeit und geeigneten Methoden. Zentral ist auch die Verknüpfung und Vernetzung verschiedener Akteure untereinander und die bedarfsgerechte Angebotserweiterung vor Ort mit dem Fokus auf die reproduktive Gesundheit. Diese Maßnahmen richten sich an Beratungsdienste und Institutionen genauso wie an Ehrenamtliche aus unterschiedlichen Herkunftsländern und sozialen Communities.

Für Themen wie Sexualerziehung, Körperwissen, Verhütung, Schwangerschaft und Geburt oder reproduktive Gesundheit werden die Materialien „Zanzu“ der BZgA eingesetzt und erprobt. Die Erfahrungen und etwaige Weiterentwicklungsbedarfe werden gebündelt und ausgewertet; sie fließen in das geplante Praxishandbuch ein.

Praxisbegleitung und Abschlussprodukt
Die bisherige Erfahrung zeigt, dass die gemeinsame Praxisbegleitung aller drei Standorte mit unterschiedlichem Profil eine breit aufgestellte Praxiserprobung und -entwicklung ermöglicht. Gemeinsame Workshops mit fachlicher Begleitung eines Praxisentwicklungsinstituts bieten einen adäquaten Rahmen für Qualitätsentwicklungsprozesse. Die Erfahrungen werden in einer Dokumentation abschließend systematisiert. Relevante Fragestellungen wie die Überprüfung der Zugänge, die Wirkung der Angebote und Maßnahmen hinsichtlich der Lebenssituation der Zielgruppe, die Passgenauigkeit der Angebote und Methoden und die Übergänge in Regelangebote werden in einem Praxishandbuch bearbeitet. Hiermit sollen Transferimpulse zur bundesweiten Nutzung gesetzt werden. Das Praxishandbuch wird ergänzt durch ein Rahmenkonzept zu Qualifizierungsstandards für Multiplikator*innen, in das ebenfalls die Erfahrungen aller Standorte einfließen.

Martina Dreibus ist Referentin im Ministerium für Familie, Frauen, Jugend, Integration und Verbraucherschutz in Rheinland-Pfalz.
Kontakt: Martina.Dreibus(at)mffjiv.rlp.de


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