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Startseite | Migration, Flucht und GesundheitIm Fokus: GeflüchteteGelingende Integration mithilfe von STEP

Roxana Petcov

Gelingende Integration mithilfe von STEP

Ein Elternkurs für Familien mit Zuwanderungshintergrund und geflüchtete Familien

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Gelebte Integration in STEP Elternkursen

„Ich lerne im Kurs sehr viel über mein Erziehungsverhalten. Ich weiß jetzt, dass vieles in Deutschland anders ist als in meiner Heimat. Ich fühle mich viel sicherer“, sagt eine Mutter aus Kroatien am Ende eines STEP Elternkurses.

Ähnliche Rückmeldungen bekommen wir immer wieder von vielen Eltern mit Migrationshintergrund, die bundesweit an STEP Elternkursen (STEP steht für Systematisches Training für Eltern und Pädagogen. Hrsg.: InSTEP Weiterbildungsinstitut. Die Elternkurse sind differenziert nach Alter der Kinder: instep-online.de/eltern_grosseltern/index.php) teilnehmen. Sie besuchen die Kurse - in der Regel zusammen mit deutschen Eltern -, weil sie, so wie viele Eltern, manchmal von den Herausforderungen der Kindererziehung in der heutigen Zeit überfordert sind.

Ihre Schwierigkeiten haben aufgrund ihrer Zuwanderungsgeschichte einen zusätzlichen Aspekt. Die Kinder- und Jugendpsychiaterin Oya Uzelli-Schwarz sagt: „Viele Kinder aus Migrantenfamilien wachsen in einem kulturellen und emotionalen Spannungsfeld auf. Mit den sich daraus ergebenden Konfliktsituationen sind die Heranwachsenden und ihre Eltern häufig überfordert, was sich zunächst in auffälligem Verhalten und langfristig in psychischen Störungen äußern kann.“ (Deutsches  Ärzteblatt, November 2013)  

In einem STEP Kurs finden Eltern die Hilfe, die sie brauchen, um Stress zu reduzieren und zu bewältigen. Alle Eltern - auch die mit Wurzeln in anderen Kulturen und sozio-politischen Systemen - fühlen sich verstanden und ermutigt, denn ihre Gefühle werden wahrgenommen und akzeptiert. Es geht nicht um Fehler in der Erziehung, sondern um praktische Handlungsweisen, die Sicherheit für das Miteinander im deutschen soziokulturellen Raum geben. Je kleiner die Kinder sind, desto stärker ist der präventive Charakter des Kurses. Gleichzeitig fühlen sich die Eltern in ihrer Individualität und in ihrer kulturellen Identität akzeptiert.

Ein junges Paar aus Kasachstan erzählte, dass in seinem Kulturkreis die Mütter sehr verwöhnend, die Väter distanziert und autoritär erziehen. Die Eltern möchten hier in Deutschland anders, „demokratischer“ erziehen, aber sie wissen nicht, wie sie das machen sollen. Nachdem sie den STEP Elternkurs absolviert hatten, konnten sie verstehen, dass durch Bestrafen und Verwöhnen das Selbstbewusstsein und die Eigenverantwortlichkeit der Kinder Schaden nehmen können, dass Ermutigung, respektvolle Kommunikation und Wahlmöglichkeiten innerhalb angemessener Grenzen dazu dienen, das Kind liebevoll und konsequent zu erziehen, wodurch das Verantwortungsbewusstsein sowie die Entscheidungsfähigkeit gefördert werden.   

Zur vielfältigen Gruppe der Menschen mit Zuwanderungsgeschichte (Zu dieser Gruppe gehören u.a. vor Jahren eingewanderte Personen, Deutschstämmige aus der ehemaligen Sowjetunion, Enkelkinder von in den 1960er-Jahren Zugewanderten, Eltern aus binationalen Familien, neue Zuwanderer, anerkannte Flüchtlinge.) gehören die geflüchteten Familien, die teilweise aus Kriegsgebieten kommen. Die Unterstützung, die diese Eltern aufgrund der Traumatisierungen im Heimatland und der vielfältigen Belastungen durch die Flucht brauchen, wird vom Wissenschaftlichen Beirat für Familienfragen vom BMFSFJ wie folgt zusammengefasst: „Eltern, die aus Kriegsgebieten geflüchtet sind, brauchen Hilfen zur Wiedergewinnung oder Stärkung ihrer Erziehungskompetenzen... Eltern sollen darin unterstützt werden, ihre Kinder liebevoll, konsequent und gewaltfrei zu erziehen.“ (BMFSFJ (Hrsg.): Aus Kriegsgebieten geflüchtete Familien und ihre Kinder: Entwicklungsrisiken, Behandlungsangebote, Versorgungsdefizite“, Kurzgutachten, September 2017.)

Dieser Forderung kommen wir mit STEP Elternkursen nach. Mit dem wissenschaftlich evaluierten pädagogischen Konzept von STEP (Professor Klaus Hurrelmann, der STEP seit vielen Jahren wissenschaftlich begleitet, sagt: „STEP ist ein zutiefst demokratisches und humanes Konzept. Es zielt darauf ab, Menschen unterschiedlicher Generationen feste und klar strukturierte Regeln für den Umgang miteinander an die Hand zu geben.”) können geflüchtete Eltern lernen, wie sie feinfühlig ihre Kinder unterstützen, traumatische Ereignisse zu bewältigen. Sie üben, die liebevoll-konsequente, gewaltfreie Erziehung in die Praxis umzusetzen und reflektieren darüber. Die spezialisierten Kursleiter*innen bauen Brücken zwischen den Kulturen und begleiten traumatisierte Menschen stabilisierend und ressourcenorientiert.

Integrationsfördernde Besonderheiten von STEP

Integration wird vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge wie folgt beschrieben: „Integration ist ein langfristiger Prozess. Sein Ziel ist es, alle Menschen, die dauerhaft und rechtmäßig in Deutschland leben, in die Gesellschaft einzubeziehen. Zuwanderern soll eine umfassende und gleichberechtigte Teilhabe in allen gesellschaftlichen Bereichen ermöglicht werden. Sie stehen dafür in der Pflicht, Deutsch zu lernen sowie die Verfassung und die Gesetze zu kennen, zu respektieren und zu befolgen.“ (https://www.bamf.de/DE/Service/Left/Glossary/_function/glossar.html?lv3=1504494&lv2=5831826)  

Integration geschieht jedoch nicht nur durch Ansprache der kognitiven Ebene. Das Besondere bei STEP ist, dass die Eltern auf der emotionalen Ebene erreicht und dadurch für neue Sichtweisen sensibilisiert werden. Denn: Alle Eltern wollen das Beste für ihre Kinder. Im Zusammenhang mit Strategien für den Erziehungsalltag werden Werte wie Gleichwertigkeit, Kommunikation auf Augenhöhe, Kooperation bei Problemlösungen, Eigenverantwortung und ein wertschätzender Umgang miteinander vermittelt.

Eine türkische Mutter berichtet, dass sie aufgrund der eigenen negativen Erfahrung mit autoritärer Erziehung als Kind nicht fähig war, ihrem Kind Grenzen zu setzen. Nachdem sie mit STEP die logischen Konsequenzen kennengelernt hatte, war es ihr möglich, klare Grenzen zu setzen, ohne lieblos zu sein. „Die Konsequenzen haben mein Leben gerettet“, war ihr Kommentar am Ende des Kurses.

Eine ermutigende, offene Atmosphäre im Kurs und positive Veränderungen im Familienleben motivieren die Eltern, demokratische Grundgedanken anzunehmen. Eltern entwickeln ein Zugehörigkeitsgefühl und beteiligen sich immer mehr am gesellschaftlichen Leben - in der Kita, in der Schule, im Quartier. Die Integration kann so gelingen.

Mit STEP können wir einen Beitrag in folgenden Integrationsbereichen leisten: Kultur - durch die Auseinandersetzung mit sozialen Normen in Deutschland, Beziehungen - durch die Vernetzung mit deutschen Eltern sowie mit Eltern aus anderen Kulturkreisen und nicht zuletzt emotionale Identifikation - durch das persönliche Zugehörigkeitsgefühl, das Gefühl, auch hierzulande zu Hause zu sein sowie die Sensibilisierung für Werte der Aufnahmegesellschaft.

Spezialisierte STEP Elternkurse für Familien mit Zuwanderungshintergrund und geflüchtete Familien

Ausgehend von unseren bisherigen Erfahrungen zielt ein aktuelles Projekt mit besonderen Rahmenbedingungen darauf, eine noch größere Zahl von Familien mit Migrations- und Fluchthintergrund zu erreichen und passgenau zu unterstützen. Zunächst werden zwei Pilotprojekte in Hamburg (in drei Kitas der Elbkinder Vereinigung Hamburger Kitas gGmbH) und in Regensburg (im Familienzentrum Kontrast) stattfinden. Denn der Bedarf ist groß: Laut Mikrozensus 2015 liegt der Anteil der Bevölkerung mit Zuwanderungsgeschichte bei 21 %. ( Vgl. Statistisches Bundesamt 2015) Eine Kursleiterin aus Köln, die STEP Kurse in einem Familienzentrum durchführt, hat in ihren Kursen ca. 30 % Eltern mit Migrationshintergrund.

Ziele des Projekts

  • Gelingende Integration - Annahme demokratischer Werte und Stärkung des Selbstwertgefühls der Eltern
  • Entwicklung der Kinder zu selbstbewussten, kooperativen, respektvollen, sozial-kompetenten und verantwortungsbewussten Menschen
  • Erziehungs- und Bildungspartnerschaft von Eltern und Institutionen - Kita und Schule
  • Reduzierung des Risikos der Ausgrenzung, der Gewaltbereitschaft oder sogar der Radikalisierung - insbesondere über gesellschaftliche Teilhabe und Zugehörigkeitsgefühl.

Rahmenbedingungen des Projekts

  • Teilnahme: Voraussetzung ist ein gesichertes Bleiberecht der Familien in Deutschland und ausreichende Deutschkenntnisse der Eltern (idealerweise B1-Prüfung).
  • Zusammenarbeit mit lokalen Institutionen, die für die Integration der Familien zuständig sind.
  • Ausbildung der Kursleiter*innen: speziell qualifizierte STEP Kursleiter*innen, die auch über Kenntnisse bzgl. der Begleitung von traumatisierten Menschen und im Bereich „Interkulturelle Kompetenz“ verfügen.
  • Spezielles Trainingsmaterial: kultursensitiv, leicht verständliche Sprache, viel visuelles Material.
  • Organisation: verlängerte Dauer, individuelle Vorgespräche, Kinderbetreuung, ggf. Begleitung der Eltern durch ihre Paten/Familienbegleiter/Familienhelfer.
  • Qualitätssicherung: InSTEP Trainernetzwerk, interne Evaluation des Projekts durch das InSTEP Weiterbildungsinstitut. Externe Evaluation geplant.
  • Finanzierung: durch Mittel des Bundes, des Landes/der Kommune oder vom BMFSFJ mit europäischen Mitteln.

Für unser bundesweites Projekt suchen wir Kooperationspartner.

Roxana Petcov ist Dozentin und Mitherausgeberin des STEP-Programms (Systematisches Training für Eltern und Pädagogen).

Kontakt:
InSTEP Weiterbildungsinstitut
mail(at)instep-online.de
www.instep-online.de


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