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Startseite | Migration, Flucht und GesundheitIm Fokus: GeflüchteteGesundheitsförderung in Willkommensklassen

Christoph Sellerberg

Gesundheitsförderung in Willkommensklassen

Ein Erfahrungsbericht aus der Oesterholz-Grundschule in Dortmund

Schlagwort(e):Bildung, Ernährung, Geflüchtete, Gesundheitsförderung, Gesundheitsversorgung, Jugend, Kinder, Zahngesundheit

Die Oesterholz Grundschule liegt im östlichen Bereich des Dortmunder Stadtbezirks Innenstadt-Nord, in der Nähe des Borsigplatzes. Die ca. 450 Schülerinnen und Schüler, die aus unterschiedlichsten kulturellen und sprachlichen Hintergründen stammen - 95 Prozent haben Migrationshintergrund -, wurden im vergangenen Schuljahr (2016/17) in 17 Regelklassen und zwei Willkommensklassen (die sogenannte „Seiteneinsteiger*innen“ besuchen) unterrichtet.

In unserem schulischen Leitbild heißt es: „Die Oesterholz-Grundschule will Lern- und Lebensraum für die Kinder der Nordstadt sein.“ Damit wird der unmittelbare Bezug zum schulischen Sozialraum hergestellt und der hohe Stellenwert betont, den die Schulgemeinschaft den Bedarfen der Kinder und Eltern des Quartiers beimisst.

Wie alle Schulen sind auch wir gefordert, uns aufgrund verschiedener bildungspolitischer Anforderungen und gesellschaftlicher Veränderungen kontinuierlich weiterzuentwickeln. Gesundheit und Wohlbefinden stellen dabei wesentliche Bedingungen für ein erfolgreiches Gelingen von Schule dar - entsprechend wird bei der Gestaltung des Schullebens auf die physische und psychische Gesundheit aller geachtet. Besonders die Familien und Kinder, die neu zugewandert sind, stehen im Hinblick auf ihre Gesundheit vor besonderen Herausforderungen. Sie müssen die neuen Gesundheitsangebote und Vorstellungen von Gesundheit im Aufnahmeland zunächst kennenlernen. In ihrem Herkunftsland haben sie eine andere medizinische Versorgung erhalten, die im ungünstigsten Fall ihre Chancen auf eine gesunde Entwicklung verhindert oder beeinträchtigt hat.

Unsere bisherige Arbeit mit Kindern hat gezeigt, dass sie grundsätzlich sehr interessiert sind, mehr über ihre Gesundheit und ein gesundes Leben zu erfahren. Deshalb ist die Grundschule hervorragend geeignet, um auch neu zugewanderte und geflüchtete Kinder für Gesundheitsthemen zu gewinnen. Seit einer Anfrage des Dortmunder Gesundheitsamts Anfang 2015 bezüglich der Mitarbeit in dem gerade beginnenden Projekt „Gesundheitsförderung in Willkommensklassen“ ist unsere Schule Kooperationspartner.

Konkret verfolgt das Projekt drei Ziele

  1. Gesundheitsthemen werden interessant und verständlich vermittelt.
  2. Kinder erfahren mehr über ihren Körper.
  3. Kinder werden in ihrem Wissen gestärkt, was sie selbst tun können, um gesund und fit zu bleiben.

Um diese Ziele zu erreichen, hat das Team des Gesundheitsamts sieben Unterrichtseinheiten zu Gesundheitsthemen entwickelt, die jeweils in Doppelstunden umgesetzt werden können:

  • Infektionen vermeiden: „Achtung ansteckend - richtig husten und niesen“
  • Gesundes Essen: „Gesund schmeckt mir!“
  • Bewegung: „Bewegung macht mir Spaß!“
  • Entspannung: „Entspannung tut mir gut!“
  • Zahngesundheit: „Zähne putzen - gewusst wie!“
  • Verkehrserziehung: „Sicher im Straßenverkehr!“
  • Mediennutzung: „Auch Superhelden brauchen Pausen!“

Die Unterrichtsvorschläge sind sehr ausführlich in einer Broschüre beschrieben, sodass sie interessierten Lehrerinnen und Lehrern, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen, Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeitern etc. eine detaillierte Anleitung zur Umsetzung bieten.

In Dortmund konnte das Unterrichtsprogramm dank der Förderung durch das Gesundheitsministerium NRW im Schuljahr 2016/2017 in 15 Grundschul-Willkommensklassen in den Stadtteilen Eving, Nordstadt, Lütgendortmund und Scharnhorst von qualifizierten Honorarkräften umgesetzt werden. Retrospektiv können wir als Lehrer*innen unserer Schule diese Vorgehensweise als äußerst gelungen bewerten. Für die Kinder waren die Stunden regelrechte „Highlights“. Zum einen waren die Themen didaktisch/methodisch ansprechend und reizvoll aufbereitet - sie wurden in deutscher Sprache vermittelt -, zum anderen war die Umstellung auf eine (zunächst fremde) Person ein Gewinn: Sie wurde schon nach kurzer Zeit immer mit lautem „Hallo“ begrüßt, auch weil sie immer viele interessante Überraschungen mitbrachte.

Die jeweils 90-minütigen Projektstunden sind methodisch unterteilt: Nach einem theoretischen Einstieg stehen bebilderte Materialien und das „Vormachen“ im Mittelpunkt - all das ist schließlich auf das praktische Ausprobieren ausgerichtet. Hier unterstützt die konkrete Bearbeitung und Auseinandersetzung der Kinder mit den themenbezogenen Materialien das Begreifen der Inhalte. Dabei werden Seifen, Zahnpasta, Brotgesichter, Anti-Stress-Knetbälle oder eigene Hör-Memorys hergestellt sowie Bewegungsspiele und Verkehrsspaziergänge gemacht.

Da die oben genannten Themenbereiche als wichtige Bestandteile der Richtlinien und Lehrpläne im Grundschulbereich gelten, konnten wir Lehrkräfte sie sinnvoll in die Unterrichtsplanung einbauen. Vor allem war der zusätzliche Aspekt der Wortschatzerweiterung besonders wichtig. Die zur Verfügung gestellten Plakate, Wandbilder und Infomaterialien dienten immer wieder zur Wiederholung und Vertiefung der behandelten Themenbereiche. Etwas differenzierter zu betrachten ist im Nachhinein die Frage nach einer langfristigen Verhaltensänderung der Kinder. In der Schule können sicher die veränderten Ernährungsgewohnheiten (gesundes Frühstück) oder das hygienische Verhalten (Händewaschen, Niesen, Husten ...) und das Bewegungsverhalten (im Sportunterricht, auf dem Schulhof) beobachtet werden. Wie und ob sich allerdings die Zahngesundheit (regelmäßiges Zähneputzen), das korrekte Verhalten im Straßenverkehr und vor allem die Mediennutzung verändert haben, bleibt im Ungewissen.

Auch für die Eltern der Kinder hat das Gesundheitsamt einfach verständliches und bebildertes Informationsmaterial zusammengestellt, das über die Schulsozialarbeiterin und das Elterncafé verbreitet werden konnte. Dadurch wurde es unter anderem möglich, eine Brücke zu den Eltern der Kinder aufzubauen.

Wie bei jedem Projekt stehen wir nun vor der Aufgabe, die Impulse und Materialien langfristig für uns nutzbar zu machen und somit das Thema zu verstetigen. Die im Rahmen des Projekts erstellten Materialien sind dabei sehr hilfreich und können über den Unterricht hinaus (Einbindung in das schulinterne Curriculum) auch im Rahmen der jährlich stattfindenden Projektwoche eingesetzt werden. Ein regelmäßig erfolgender fachlicher Austausch im Kollegium in Jahrgangsbesprechungen und Fachkonferenzen sichert dabei den Transfer.

Die Basis für eine Verstetigung ist aber vor allem das gemeinsame Verständnis für den hohen Stellenwert, den wir als Schulgemeinschaft dem Thema Gesundheitsförderung beimessen - insofern ist die Intensivierung der Elternarbeit in diesem Bereich ein zentrales Anliegen, das wir mit weiteren Beratungsangeboten in diesem Schuljahr in den Blick nehmen.

Christoph Sellerberg ist Lehrer an der Oesterholz-Grundschule.
Kontakt: oesterholz-grundschule(at)stadtdo.de

Literatur


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