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Startseite | Migration, Flucht und GesundheitIm Fokus: GeflüchteteMit Teamarbeit für eine bessere schulische Integration

Daniel Laprell / Margitta Hunsmann

Mit Teamarbeit für eine bessere schulische Integration

Modellprojekt „Zusammen – Zuwanderung und Schule gestalten“ in Duisburg-Marxloh unterstützte junge Zuwanderer beim Einstieg in das deutsche Schulsystem

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Es ist die Hoffnung auf ein sicheres und besseres Leben, das eine Vielzahl von Familien aus den unterschiedlichsten Ländern Europas, aber auch aus anderen Teilen der Welt, in den Duisburger Stadtteil Marxloh kommen lässt. Die Zuwandererfamilien sind in der Regel kinderreich, jeder Dritte ist unter 18 Jahre alt. Viele dieser Kinder und Jugendlichen sind erst seit Kurzem in Deutschland und haben oft wenig Schulerfahrung, weil in ihren Herkunftsländern ein regelmäßiger Schulbesuch nicht möglich war oder weil Flucht und Migration diesen nicht zuließen. Dadurch haben sie oft Schwierigkeiten, dem Regelunterricht zu folgen und einen Zugang zum Lernen zu finden.

Systematische Vorbereitung auf das deutsche Schulsystem
„Zusammen - Zuwanderung und Schule gestalten“ lautete der Titel eines Projekts, das von April 2015 bis zum Sommer 2017 an einer Gesamt- und einer Grundschule in Marxloh durchgeführt wurde. In beiden Schulen gab es jeweils zwei Modellklassen mit insgesamt rund 70 zugewanderten Kindern im Alter von sechs bis zwölf Jahren. Ziel des gemeinsamen Projekts der Stadt Duisburg und der RuhrFutur gGmbH, das in Kooperation mit dem Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen realisiert und von der Stiftung Mercator gefördert wurde, war es, junge Zuwanderer, die bislang keine oder nur wenig Schulerfahrung sammeln konnten, systematisch auf das deutsche Schulsystem vorzubereiten. Das Besondere daran: Es wurden nicht wie üblich ausschließlich einzelne Lehrkräfte in den Klassen eingesetzt, sondern multiprofessionelle Teams, bestehend aus Integrationslehrkräften mit einer Qualifikation in Deutsch als Zweitsprache (DaZ), sozialpädagogischen Fachkräften und interkulturellen Beraterinnen und Beratern. Die vielfältigen Kompetenzen der Teams ermöglichten es, sowohl den Spracherwerb systematisch zu fördern als auch die Schülerinnen und Schüler an schulisches Lernen heranzuführen und ihre sozialen Kompetenzen zu stärken.

Unterstützung auch über das Klassenzimmer hinaus
Die Teams konzipierten Unterrichtsstunden, Projekte, Arbeitsgruppen und Elternangebote. Dabei erarbeiteten sie differenzierte Materialien, die ein individuelles Eingehen auf die Bedarfe und Fähigkeiten der Kinder ermöglichten. Die Teams organisierten auch Angebote, die über den Unterricht im Klassenzimmer hinausgingen. Wurde beispielsweise im Unterricht das Thema Ernährung behandelt, konnten in einer Garten-AG frische Kräuter und Salat gezüchtet werden; im Elterncafé wurde der Unterschied zwischen gesundem und ungesundem Frühstück thematisiert. Die Teams erarbeiteten darüber hinaus Lernmaterialien und -methoden, die die Arbeit mit neu zugewanderten Kindern allgemein verbessern sollen. Um die sprachlichen Fortschritte der Schülerinnen und Schüler einschätzen und sie entsprechend fördern zu können, entwickelten die Teams hierzu eine alltagstaugliche Diagnostik. Wissenschaftlich begleitet wurden sie dabei von „ProDaZ“, einem Deutsch-als-Zweitsprache-Projekt der Universität Duisburg-Essen. Die Erfahrungen aus „Zusammen“ münden in ein pädagogisches Konzept, von dem künftig auch andere Kommunen im Ruhrgebiet profitieren sollen.

Gesundheit und Bildung sind untrennbar miteinander verknüpft
Eine der wichtigen Grundvoraussetzungen für schulisches Lernen ist die körperliche und psychische Gesundheit der Schülerinnen und Schüler. Gerade neu zugewanderten Eltern fehlt es oft an Wissen über Möglichkeiten der Gesundheitsvorsorge sowie über die Bedeutung gesunder Ernährung für die kindliche Entwicklung. Große Probleme mit der ärztlichen Versorgung bestanden immer dann, wenn der Krankenversicherungsschutz noch ungeklärt war. Die Hilfe herkunftssprachlicher Ansprechpersonen erwies sich bei diesen oft sensiblen Fragestellungen als wichtiger Türöffner. Durch die individuelle Ansprache der Fachkräfte erhielten Eltern zum Beispiel Angebote kostenloser ärztlicher Versorgung, die Klärung ihres Versichertenstatus und für ihre Kinder praktische Ernährungstipps sowie Vorschläge für altersgerechte Bewegungsspiele.

Den Praxistransfer der Ergebnisse initiieren
Bereits innerhalb der Projektlaufzeit gaben erste Erfahrungswerte den Anstoß für ein NRW-Landesprogramm zur Einrichtung multiprofessioneller Teams. Mit dem Erlass vom 2. Februar 2016 „Multiprofessionelle Teams zur Integration durch Bildung für neuzugewanderte Schülerinnen und Schüler“, erhalten Schulen mit einem entsprechend hohen Bedarf zusätzliche zeitlich befristete Stellenanteile.

Ein weiterer Ergebnistransfer besteht zu aktuellen RuhrFutur-Projekten mit einer ähnlichen inhaltlichen Ausrichtung. In dem Projekt „Wegbereiter - Bildungswege für neu zugewanderte Kinder und Jugendliche bereiten“ werden Integrationskonzepte entlang der gesamten Bildungsbiografie erarbeitet. Das Projekt „Eltern und Schulen - Gemeinsam stark“ setzt sich dafür ein, Eltern als Bildungsbegleiter ihrer Kinder zu stärken, indem es die relevanten Akteure dabei unterstützt, die Idee der Bildungspartnerschaft in kommunalen Strukturen und in den Schulen vor Ort zu verankern. Die an den beiden Projekten beteiligten Städte Castrop-Rauxel, Bochum, Mülheim an der Ruhr und der Kreis Recklinghausen stehen vor ähnlichen Herausforderungen wie Duisburg-Marxloh.

Um weitere Akteure in den Transfer einzubeziehen, werden die Arbeitsergebnisse von „Zusammen“ Anfang des Jahres 2018 in Form eines E-Books erscheinen - dessen Bezugsquelle ist zum heutigen Datum noch nicht endgültig geklärt. Die Veröffentlichung beinhaltet Handlungsempfehlungen aus der Praxis sowie aus der begleitenden Bildungsforschung, die unter anderem für Lehrkräfte, Schulsozialarbeiter und Vertreter der Schulaufsicht bzw. der Schulämter und der Kommunalen Integrationszentren geeignet sind.

Ein weiterer wesentlicher Erfolg des Projekts besteht darin, dass die Akteure aus dem operativen Geschäft sowie die kommunalen Entscheider, die Unterstützer aus Politik, Forschung und Stiftungswesen die Verbesserung der Bildungschancen neu zugewanderter Kinder und Jugendlicher nicht als einen einmaligen Impuls verstehen, sondern als kontinuierlichen Prozess, den es regelmäßig zu überprüfen und zu verbessern gilt.

Daniel Laprell, RuhrFutur, Leitung Kommunikation. RuhrFutur ist eine gemeinsame Bildungsinitiative der Stiftung Mercator, des Landes Nordrhein-Westfalen, der Städte Dortmund, Essen, Gelsenkirchen, Herten und Mülheim an der Ruhr sowie der Ruhr-Universität Bochum, der Fachhochschule Dortmund, der Technischen Universität Dortmund, der Universität Duisburg-Essen, der Hochschule Ruhr West, der Westfälischen Hochschule und des Regionalverbands Ruhr (RVR). Ziel der Initiative ist eine Verbesserung des Bildungssystems in der Metropole Ruhr, um allen Kindern und Jugendlichen im Ruhrgebiet Bildungszugang, Bildungsteilhabe und Bildungserfolg zu ermöglichen. http://www.ruhrfutur.de/
Kontakt:daniel.laprell(at)ruhrfutur.de

Literatur


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