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Martina Levartz

Das Projekt InterKultKom

Schlagwort(e):Fortbildung, Geflüchtete, Gesundheitswesen, Interkulturelle Kompetenz

Für Menschen mit Migrationshintergrund gibt es spezifische Barrieren, die den Zugang zur gesundheitlichen Versorgung erschweren: Sie kommen aus anderen Kulturräumen, sprechen eine andere Sprache und haben vielleicht eine andere Religion. Dies alles können Hürden beim Zugang zum deutschen Gesundheitssystem und einer erkrankungsgerechten Versorgung sein. Durch die verstärkte Zuwanderung von Flüchtlingen nach Deutschland in den letzten Jahren hat sich die Situation noch verschärft – eine kultursensible Gesundheitsversorgung ist daher wichtiger denn je.

Um diese sicherzustellen, kommt der interkulturellen Kompetenz aller an der Gesundheitsversorgung beteiligten Berufsgruppen große Bedeutung zu. Darunter versteht man die Fähigkeit, sich auf Individuen und Gruppen anderer Kulturen einzustellen und mit ihnen auf erfolgreiche, angemessene Weise zu interagieren und zu kommunizieren. Hier existieren viele Unsicherheiten bei allen Beteiligten. Dies gilt nicht nur für die sprachliche Verständigung, sondern in vielen Fällen auch für kulturell begründete unterschiedliche Auffassungen vom Umgang mit Krankheit, Gesundheit, Schamgefühl, Prävention und Heilungsansätzen.

Das Erlernen interkultureller Kompetenz und die Förderung der Kultursensibilität waren Hauptziele eines von der Robert Bosch Stiftung geförderten Modellprojekts zur interprofessionellen und interkulturellen Gesundheitsversorgung (InterKultKom). Für das geplante Schulungsmodell hatten sich folgende Partner*innen der Gesundheitsversorgung zusammengeschlossen:

  • Ärztekammer Nordrhein (Antragstellerin)
  • Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein
  • Institut für Qualität im Gesundheitswesen Nordrhein (Projektkonzeption und Durchführung)
  • Universität Witten Herdecke (Evaluation)
  • Verband medizinischer Fachberufe e. V.
  • Pflegerat NRW
  • Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen
  • Zahnärztekammer Nordrhein

Projektziele

Ziele dieses Projekts waren:

  • Die Sensibilisierung für den Umgang mit Patient*innen und Kolleg*innen aus unterschiedlichen Kulturen und Förderung der kulturellen Öffnung der Schulungsteilnehmer*innen
  • Die Förderung der Kommunikation mit Patient*innen und Angehörigen anderer kultureller Prägung
  • Die Verbesserung der interprofessionellen Zusammenarbeit und Kommunikation
  • Die Unterstützung der regionalen und sektorenübergreifenden Vernetzung

Schulungskonzept

Das transkulturelle Training kann sich nicht nur auf eine reine Wissensvermittlung beschränken. Unser Schulungskonzept sollte die Entwicklung einer offenen Haltung gegenüber kulturellen Unterschieden ermöglichen. Darunter verstehen wir Unterschiede in religiöser oder politischer Hinsicht, bei den Lebensentwürfen und gesellschaftliche Unterschiede. Die Schulungsteilnehmer*innen wurden zu einer Reflexion der eigenen Haltung und Prägung und ihrer möglichen Vorurteile „Fremden“ gegenüber ermutigt.

Eine interprofessionelle, kulturdiverse Arbeitsgruppe mit Fachleuten aus dem klinischen und ambulanten Sektor der Patient*innenversorgung (Ärzt*innen, Zahnärzt*innen, Pflegekräfte, medizinische und zahnmedizinische Fachangestellte) sowie Vertreter*innen aus dem Verwaltungs- und Organisationsbereichen des Gesundheitswesens haben ein modulares Fortbildungskonzept erarbeitet zu Themen des Kulturverständnisses, der eigenen Haltung und kulturellen Prägung, der kulturellen Öffnung und der kultursensiblen Gesundheitsversorgung.

Haltung: Unterschiedliche Werte und Orientierungssysteme in den jeweiligen Kulturen und die Reflexion der eigenen Sozialisation und gesellschaftlichen Prägung.

Kommunikation: Kommunikation und Beziehungsgestaltung mit fremdsprachigen Patient*innen, Umgang mit Dolmetschenden/Kulturmittler*innen, zielgruppenspezifische Informationen und Sensibilisierung für die Problematik des Dolmetschens durch kulturell Zugehörige.

Krankheitsverarbeitung: Umgang mit Krankheit aus der Sicht unterschiedlicher Kulturen und unterschiedlicher Religionen.

Familie und Gender: Familienstrukturen, Stellenwert der Familie in unterschiedlichen Gesellschaften, Umgang mit Gesundheitsförderung und Prävention.

Gewalt, Trauma, Schmerz, Tod und Trauer: Umgang mit traumabelasteten Patient*innen, Sterbebegleitung, Trauer, Abschiedsrituale und Rituale der Sterbebegleitung in unterschiedlichen Kulturen.

Der Aufbau eines jeden Schulungstags war ähnlich strukturiert: Nach einem Impulsreferat von ausgewiesenen Expert*innen folgten die Arbeit in Kleingruppen mit praktischen Übungen und/oder Diskussionsrunden. Abgeschlossen wurde jede Fortbildungseinheit mit einer kurzen Zusammenfassung des Erarbeiteten jeder Kleingruppe und einem „Blitzlicht“.

Schulungsteilnehmer*innen

Die Schulungsgruppen setzten sich zusammen aus:

  • Ärzt*innen und Pflegenden aus dem Krankenhaus der Modellregion
  • Ärzt*innen und Zahnärzt*innen aus der vertragsärztlichen Versorgung und deren medizinischen bzw. zahnmedizinischen Fachangestellten
  • Mitarbeiter*innen aus einem Pflegeheim und mehreren ambulanten Pflegediensten der Modellregion
  • Ärzt*innen aus dem Gesundheitsamt

Schulungsergebnisse

Das Feedback der Beteiligten und die Evaluation zeigten, dass durch die Reflexion der eigenen Haltung, den Einblick in unterschiedliche Kulturen und Lebenskonzepte und den interprofessionellen Austausch viel Neues gelernt wurde. Durch die Schulungen konnte eine kulturelle Öffnung gefördert und eine größere Sicherheit im Umgang mit Patient*innen sowie Kolleg*innen anderer kultureller Prägung erzielt werden. Viele Teilnehmer*innen stellten aber auch fest, dass es viele Ähnlichkeiten mit der eigenen Kultur gibt.

Somit leistete das Projekt einen Beitrag zur Verbesserung der Versorgungssituation von Patient*innen aus anderen Kulturen und gab den im Gesundheitswesen Tätigen Unterstützung und größere Sicherheit im Arbeitsalltag. Auch der interprofessionelle Ansatz wurde von den Teilnehmer*innen als sehr bereichernd empfunden.

Ausblick

Die im Modellprojekt erprobten Schulungsmodule stehen auch anderen interessierten Einrichtungen der Gesundheitsversorgung kostenlos zur Verfügung. Interessierte können sich für weitere Informationen gerne an das IQN wenden.

Dr. med. Martina Levartz, MPH, ist Geschäftsführerin des Instituts für Qualität im Gesundheitswesen Nordrhein.

Kontakt:
iqn(at)aekno.de


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